iPhoneEin PR-Märchen in drei Akten

1. Akt

Im Apple-Hauptquartier wird ein neues iPhone entwickelt: das 4G. Es hat nur unwesentliche Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger. Selbst Steve Jobs könnte das Ding nicht als Weltneuheit verkaufen. Die Marketing-Abteilung fragt sich, wie man den Leuten, die es nicht ohnehin direkt am Erscheinungstag kaufen, das Gerät näher bringen kann. Offline-Marketing scheidet schonmal aus: zu teuer, zu altmodisch. Man will weiterhin auf Online-Marketing und Social Media setzen: das ist günstig, authentisch, hat gute Reichweiten, erzeugt Emotionen, macht Kunden zu Fans. Abgemacht. Doch diesmal soll es anders laufen. Das mit der Authentizität will man lieber weglassen…

2. Akt

Gray PowellEin PR-Mitarbeiter von Apple überreicht das neue iPhone der Redaktion des amerikanischen Tech-Blogs Gizmodo. Doch soll man es so schreiben? Das wäre doch viel zu langweilig. Wo bleiben da die Emotionen?! Gray Powell wird erfunden, ein 27-jähriger Apple-Ingenieur mit eigener Facebook-Seite und einer Vorliebe für deutsches Bier. Er soll das neue iPhone während eines Trinkgelages in einer deutschen Bier-Bar in Redwood City (Kalifornien) verloren haben (rund 6 000 Retweets). Gizmodo soll es dann dem Finder für 5 000 Dollar abgekauft haben. Das ist cool, das ist witzig, Menschen empfinden Schadenfreude und sind gespannt, welche Neuigkeiten da wohl jetzt geleakt sind. Gizmodo schreibt einen ausführlichen und natürlich exklusiven Artikel über die Vorzüge des neuen iPhones inklusive Videos und der Geschichte, wie es verloren und gefunden wurde (35 000 Retweets). Apple fordert Gizmodo schriftlich zur Rückgabe auf. Medien in aller Welt berichten offensichtlich ohne weitere Recherche (BILD). Tausende User werden innerhalb kürzester Zeit Gray Powell-Fans bei Facebook.

3. Akt

Qualitätsjournalisten versuchen, Gray Powell ausfindig zu machen und zu kontaktieren. Sie wollen die Geschichte von ihm selbst bestätigt haben. Die einzigen, die ihn erreichen können, sind jedoch die Blogger von Gizmodo. Zweifel an der Echtheit der Geschichte machen sich breit. Sollte alles nur ein PR-Gag gewesen sein? Es scheint so. Zugegeben, ein sehr erfolgreicher. Da können sich andere PR-Abteilungen ruhig eine Scheibe abschneiden. Dies tat auch prompt die PR-Abteilung der Lufthansa: in einem Akt der Anerkennung einerseits, aber auch der Schadenfreude über die Enthüllung des PR-Gags andererseits veröffentlicht sie den folgenden offenen Brief an den Unauffindbaren und spendiert ihm einen Freiflug nach München, um in der Biergarten-Business-Lounge einmal richtig auszuspannen. Mal sehen, ob er sich jetzt nicht doch noch auffinden lässt…

Lufthansa

Ein Kommentar zu “Wie das iPhone 4G zu Gizmodo kam”

  1. Loulou, geil…muss gestehen ich bin auch komplett drauf reingefallen…mit bild.de Artikel und allem was dazugehört…

    Total geil…

    Danke netter Artikel, auch der Lufthansa Brief

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